Train Reporting Number

Siehe zu diesem Thema auch Headcode.

Unter Train Reporting Number versteht man die Zeichenfolge, die jedem Zug zugewiesen ist und die der Zugleitung dient. Sie erscheint im Fahrplan und wurde von 1961 bis 1976 auch an der Lokomotivfront angezeigt. Eine Zugnummer im deutschen Sinne stellen sie jedoch nur eingeschränkt dar.

Grund

Die einzelnen Regionen von British Railways (BR) hatten unterschiedliche Systeme zur Verkehrssteuerung, welche teilweise schon zu Big-Four-Zeiten entwickelt wurden. Diese Systeme waren sehr unübersichtlich, da sie auf die örtlichen Verhältnisse zugeschnitten waren, und sollten deshalb ersetzt werden. Außerdem begann BR in den Fünfziger Jahren ein Modernisierungsprogramm im Signalisierungswesen, bei dem u.a. auch Zugidentifizierungsfelder (Train Describer] eingebaut wurden, so dass jede Signal Box der nachfolgenden Box nicht nur die Zugkategorie, sondern auch die Train Reporting Number übermittelt werden konnte.

Das Übermitteln der Train Reporting Number an die nächste Signal Box hatte zwei prinzipielle Gründe: Erstens benötigte der Signalman der nächsten Signal Box die Information, um den korrekten Fahrtweg des Zuges einzustellen. Die Übermittlung der Train Reporting Number stellte einen Fortschritt gegenüber der Übermittlung lediglich der Train Category, wie es beim Glockentelegraphen üblich war, dar, denn es erlaubte eine größere dispositive Freiheit. Bei der vormaligen Übermittlung nur der Train Category war man darauf angewiesen, die Reihenfolge der Züge im Fahrplan genau einzuhalten, oder andernfalls per Telefongespräch miteinander zu kommunizieren. Das Zeigen der Train Reporting Number an der [[Lokomotivfront]]] diente zusätzlich der Wegeleitung, falls die Lok in Sichtweite ist, aber die Train Reporting Number aus verschiedensten Gründen nicht übermittelt wurde. Zweitens konnte die Information, welcher Zug gerade auf einer Blockstrecke unterwegs ist, aus den Train Describers einfach ausgelesen und an die Zentrale Zugleitung weitergeleitet werden, wo diese Informationen den Fortschritt zu Technischen Anzeigen ermöglichte. Zuvor waren etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Pappkärtchen mit Zugnummern verwendet worden, die auf einer vereinfachten Grafik der Gleistopografie weiterbewegt wurden.

Aufbau der BR Train Reporting Numbers seit 1961

Die Train Reporting Numbers hatten die Zusammensetzung Ziffer - Buchstabe - Ziffer - Ziffer.

Erste Stelle (Ziffer)

Die erste Ziffer gibt Aufschluss über die Train Category. Von 1 bis 9 und 0 wurden allen Zugkategorien, die vorher mit Buchstaben bezeichnet wurden, eine Ziffer zugewiesen. Neben dem Sicherheitsaspekt (siehe Artikel Headcode) diente diese vor allem als Primärschlüssel für die dritte und vierte Stelle.

erste Ziffer Bedeutung
1 Express Passenger Train
2 Ordinary oder Branch Passenger Train
3 Empty Coaching Stock, Parcels Train oder anderer Zug mit ausschließlich NPCCS
4 Express Freight Train mit >90% gebremsten Wagen
5 Express Freight Train mit >50% gebremsten Wagen
6 Express Freight Train mit >20% gebremsten Wagen
7 Express Freight Train ohne durchgehende Bremse
8 Through Freight
9 Nahgüter-, Mineral- oder Güter-Leerzug
0 Nur Lok mit max. 2 Brake Vans

Zweite Stelle (Buchstabe)

Der Buchstabe an der zweiten Stelle gibt bis auf wenige Ausnahmen das Ziel des Zuges an.

Sechs Buchstaben bezeichnen bei Zügen, zwischen verschiedenen Regionen verkehren, die Zielregion:

Buchstabe Bedeutung
E Eastern Region
M London Midland Region
N North Eastern Region
O Southern Region
S Scottish Region
V Western Region

Die weiteren Buchstaben (mit Ausnahme von I, Q, R, U, W, Y sowie von X) geben den genauen Zieldistrikt an. Die Buchstaben konnten innerhalb jeder Region anders vergeben werden. Beispiel:

Buchstabe Bedeutung in der London Midland Region 1961 Bedeutung in der Western Region Bedeutung in der Eastern Region 1965
A London Euston London District East Coast Main Line
B London Euston / Rugby Bristol District King's Cross / Hitchin / Cambridge
Barnetby (exclusive) / Scunthorpe / Doncaster (exclusive)
C London St. Pancras / London Marylebone / Manchester North Exeter und Plymouth District Hitchin (exclusive) / Grantham
D Chester / Nottingham Doncaster Area (außer diejenigen unter B)
F Leicester Swansea District Special Train zur East Coast Main Line (nicht über Gleise der London Midland Region)
G Birmingham Sheffield (Great Central) Area
H Manchester South / Stoke-on-Trent Birmingham und Gloucester District Sheffield (London Midland) Area
J Manchester North Shrewesbury District March / Boston / Lincoln / Colwick
K Crewe / Liverpool Lime Street / Liverpool Central Firsby / Skegness / Louth
L Preston / Barrow / Carlisle Grimsby / Cleethorpes
P Blackpool & Fylde / Derby Barton / New Holland / Immingham
T Special Passenger Train Newport und Cardiff District Freight Trip Trains
Z Special Passenger oder Freight Train Special Trains

X war für Inter-Regions-Sonderzüge vorgesehen.

Dritte und vierte Stelle (Ziffern)

Die letzten beiden Ziffern gaben genauere Auskunft über den Zug.

Bei Zügen der Zugkategorie (erste Stelle) 1, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 beschrieb sie den genauen Zug (außer bei Inter-Regions-Zügen). Züge der Zugkategorie 3 mit Nummern zwischen 00 und 29 waren Parcel Trains, zwischen 30 und 49 Leerzüge für betriebliche Zwecke. Bei Zügen der Zugkategorie 2 wurden Nummern zwischen 50 und 99 verwendet, um den Zuglauf anzugeben. Dabei definierte der Buchstabe (zweite Stelle) das genaue Ziel, so dass bei Zügen zwischen zwei Distrikten Hin- und Rückfahrten unterschiedliche Buchstaben, bei Zugläufen innerhalb eines Distrikts denselben Buchstaben in der Train Reporting Number führten. Zügen der Zugkategorie 9 wurde, falls sie ein Nahgüterzug waren (zweite Stelle), eine Trip Number nachgestellt, diese definierte den Laufweg des Zuges.

Bevorzugt wurden zusammengehörende Zugfahrten dieselben zwei Endziffern zugewiesen. Aufeinanderfolgend sind Fahrten beispielsweise dann, wenn eine aus einem Depot ausrückende Lokomotive einen leeren Personenzug aufnimmt, diesen zu einem Bahnhof bringt und dann eine Fahrgastfahrt unternimmt.

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Die zweistelligen Headcodes im Vorortverkehr der Eastern Region.
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GWR Castle Class Nummer 5000 im Bahnhof Bristol Temple Meads mit Express 1V52 aus Wolverhampton. Ca. Anfang der 60er Jahre.

Vormalige Train Reporting Numbers

Vor 1961 existierten verschiedene Systeme. Das einfachste war das bloße Übermitteln der Train Category, siehe auch Headcode. In der London Midland Region rund um Birmingham wurden vierstellige Zahlen genutzt, die mit vierstelligen Headcode Boxen ausgerüsteten Fahrzeuge wurden später an der zweiten Stelle von einer Zahlen- auf eine Buchstabenrolle umgebaut. Die Western Region nutzte Train Reporting Numbers mit drei Zahlenstellen für schnelle Personenzüge, wobei die Zahl für einen spezifischen Zug stand, sofern sie durch 5 teilbar war. War sie das nicht, handelte es sich um einen einzeln geführten Teil desjenigen Zuges, der die auf die nächsten 5 abgerundete Train Reporting Number führte.

Vor 1961 gebaute Lokomotiven und Triebwagen waren je nach Region nur mit zweistelligen Headcode Boxen ausgerüstet. Darin konnte ein Buchstabe und eine Zahl angezeigt werden. Bei Triebwagen entsprach die erste Stelle (der Buchstabe) der Train Category, also der ersten Ziffer der vierstelligen Train Reporting Number. Die zweite Ziffer bezeichnete grob den Laufweg. Diese wurden im Vorwort jedes Working Timetables eines jeden Distrikts definiert.

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GWR King Class Nummer 6015 King Richard III 1962 vor Zug M18 im alten System.
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GWR King Class Nummer 6011 King James I mit den bis 1961 verwendeten dreistelligen Western-Region-Numbers plus einer mit Kreide hinzugefügten vierten Stelle vor Cross-Country-Zug 1M65.

Train Reporting Numbers heute

Das System wurde über die Jahre mehrfach erweitert und verändert. Die bekannteste Änderung ist die Einführung der Zugkategorie 9 für Eurostarzüge im Jahre 1994, als der Betrieb durch den Kanaltunnel begann. Eurostarzüge werden in UK mit 9O beginnenden Train Reporting Numbers bezeichnet, wenn sie auf dem Weg nach Frankreich sind, und mit 9I beginnenden, wenn sie auf dem Weg nach London sind. In Frankreich bekommen die Züge dann eine vierstellige Zugnummer, die je nach Richtung mit 90 oder 91 beginnt, wobei beim Überqueren der britisch-französischen Grenze aus einem O eine 0 und umgekehrt aus einer 1 ein I wird.

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Anzeige der Eurostar-Züge im Bahnhof Euston in London 2012. Die zweite Stelle (0 und 1) werden intern als O und I geführt.

Train Reporting Numbers sind für die meisten Personenzüge als Zugnummer anzusehen, für Vorortzüge oder für Nahgüterzüge jedoch wie eine Linienbezeichnung.

Weblinks und Quellen

http://www.barrowmoremrg.co.uk/BRBDocuments/BRB_4_Position_Train_indicators2.pdf — Dokumentation der London Midland Region von Anfang der 60er Jahre über die neu eingeführten Headcodes
https://de.wikipedia.org/wiki/Zugnummer#Gro.C3.9Fbritannien — Wikipedia über britische Zugnummern
https://en.wikipedia.org/wiki/Train_reporting_number — englische Wikipedia über Train Reporting Numbers
http://www.scot-rail.co.uk/page/Headcodes+Explained — Schottische Headcodes
http://headcodes.info/ — Headcode-Suchmaschine
http://www.2d53.co.uk/Headcode/headcode.htm — Übersichtsinfos über Headcodes

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