Railway Clearing House

Das Railway Clearing House (RCH) begann seine Arbeit am 2. Januar 1842. Es war eine organisierte Vereinigung der Eisenbahngesellschaften Großbritanniens zur Schaffung von Erleichterungen für den durchgehenden Verkehr, insbesondere zur Abrechnung der wechselseitigen Forderungen aus dem Personen- und Güterverkehr. Im Laufe der Zeit traten immer mehr Gesellschaften aus England, Wales, Schottland und Irland dem RCH bei.

Aufgaben

Numbertaker_Bahnhof_Marylebone_1917.jpg

Abrechnung

Durch die Konzentrierung aller Abrechnungen in einem Zentralabrechnungshaus konnten die Geschäfte der Abrechnung rasch und einheitlich erledigt werden. So wurde nicht nur die Abrechnung und Saldierung der Einnahmen aus dem direkten Verkehr, sowie der Wagenmieten, sondern auch die Ausgleichung der aus dem Übergangsverkehr herrührenden Entschädigungen in Reklamationsfällen und für Wagendefekte geregelt. Dazu war ein großer Personalaufwand notwendig.
Der Wagenübergang wurde von einzelnen auf den Übergangsstationen aufgestellten Beamten (numbertaker od. numberman) notiert, die die bezüglichen Aufzeichnungen dem RCH mitteilten.

Das Bild zeigt eine Numbertakerin bei der Arbeit im Bahnhof Marylebone, 1917.

Eisenbahnkarten

Eine Abteilung des RCH fertigte sehr gute Eisenbahnkarten, sogenannte Railway Junction Diagrams (RJDs), von Großbritannien und Irland an.
RCH-RJD.jpg

Normung und Klassifizierung

Vom RCH war ferner die Herstellung einer einheitlichen Güterklassifikation für die beteiligten Bahnen ausgegangen und technische Normierung aller Art, z. B. von Güterwagen erfolgt. So war ein RCH Wagon ein Güterwagen, der die vorgegebenen Standards aufwies und so auf alle an das RCH angeschlossene Bahnen übergehen konnte.
Aber auch die Normung von Signalisierung, Kabel und Anschlüsse für elektrische Zugbeleuchtung, etc. gehörte später zu den Aufgaben des RCH.

Einführung einer einheitlichen (Eisenbahn-)Zeit in ganz Großbritannien

Durch das RCH wurde die allgemeine Verbindlichkeit der Greenwich Mean Time (Greenwich-Zeit) für die Eisenbahnen, die sogenannte „Eisenbahnzeit“, am 22. September 1847 eingeführt.

Weitere Aufgaben

Es wurde eine Zentralstelle für überzähliges oder fehlendes Gepäck, sowie in den Personenwagen, Warteräumen u.s.w. gefundene oder verlorene Gegenstände geschaffen.

Betrieb

Zur Bewältigung der umfangreichen Arbeiten benötigte das RCH eine große Anzahl von Beamten, die von den einzelnen Bahnverwaltungen beigestellt wurden. Die einzelnen Abrechnungsbüros und Zentralstellen beschäftigten einschließlich der Numbertaker um 1910 gegen 3000 Personen. Trotzdem waren die Kosten des RCH damals sehr gering und betrugen weniger als 1 Prozent des abgerechneten Gesamtbetrags.
Die Kosten wurden von den beteiligten Bahnen verhältnismäßig getragen. Entscheidend war die Anzahl der Bahnhöfe (ohne Kopfbahnhöfe) im Eigentum der jeweiligen Gesellschaft.

Jede dem RCH angehörende Gesellschaft war durch einen Delegierten vertreten; die Gesamtheit der Delegierten bildete den geschäftsführenden Ausschuss.

Mit der Verstaatlichung der Eisenbahnen 1948 und Gründung der British Railways war das RCH nicht mehr notwendig und die Aufgaben wurden zu internen Aufgaben innerhalb British Railways.

Quellen

Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Freiherr von Röll, Band 3., Wien 1912

Weblinks

http://www.railwaywondersoftheworld.com/clearing-house.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Railway_Clearing_House
http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Railways_Junctions_Diagram_1914 — Übersicht Eisenbahnkarten (RJDs)

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