Die Pionierzeit der Eisenbahn

Das britische Eisenbahnnetz ist das älteste von Lokomotiven gezogene Eisenbahnsystem in der Welt.

Im Jahre 1804 stellte Richard Trevithick die erste Dampfmaschine auf Schienen. Diese für einen Grubenbesitzer in Süd-Wales gebaute Lokomotive wird heute als der Urahn der Lokomotiven angesehen und fuhr auf Schienen mit einer Spurweite von 1524 mm (5 Fuß).

Am 25. März 1807 nahm die Oystermouth Railway, die erste personenbefördernde Pferdeeisenbahn der Welt, in Swansea in Wales ihren Betrieb auf.

Am 27. September 1825 eröffnete die erste öffentliche mit Lokomotiven betriebene Bahnlinie, die Stockton & Darlington Railway (4 Fuß 8 Zoll).
1830 folgte als zweite Bahnlinie dann die Liverpool & Manchester Railway. Hier wurde die Spurweite aus lauftechnischen Gründen um einen halben Zoll auf 4 Fuß 8,5 Zoll (1435 mm) - also die heute noch verwendete Normalspur - erweitert.

Nach und nach wurden immer mehr kleinere Eisenbahnstrecken gebaut und 1840 waren diese alle zusammen gerechnet über 2400 km lang.

Bereits 1841 wurde die erste elektrische Lokomotive der Welt vorgeführt.

Das britische Eisenbahnsystem entstand ursprünglich als ein Netzwerk von kleinen lokalen privaten Eisenbahngesellschaften. Anfangs gab es eine Vielzahl von Spurweiten (1435mm, 1448mm, 1549mm, 1676mm, 1880mm, 2140mm). Im Jahre 1846 entschied eine extra eingesetzte Königliche Kommission, dass trotz einer Reihe von Vorzügen der Breitspur, doch Wirtschaftlichkeit und Einheitlichkeit höher zu bewerten seien. Daraufhin wurde der Umbau aller breiteren Strecken auf die mittlerweile auch in Europa und Übersee gängige Standardspur von 1435 mm angeordnet, der aber erst 1892 vollendet wurde.

Bis 1860 wuchs das britische Schienennetz auf bereits 16790 km an und 10 Jahre später waren bereits über 25000 km erreicht. Durch den Einsatz von Water troughs waren erstmals Nonstop-Verbindungen über große Entfernungen möglich.

Am Samstag, den 10. Januar 1863 wurde die Metropolitan Railway, die erste U-Bahn der Welt in London eröffnet. Die Züge auf der 6 km langen Strecke zwischen Paddington und Farringdon bestanden aus hölzernen Wagen mit Gasbeleuchtung, die von Dampflokomotiven gezogen wurden. Bereits 1861 wurde dafür die erste Dampfspeicherlokomotive gebaut, die sich allerdings nicht bewährte und daher normale Dampflokomotiven eingesetzt werden mussten.

1870 gab es in Großbritannien und Irland rund 1000 Eisenbahngesellschaften. Diese Zahl nahm zu Beginn der Pre-Grouping-Era dann aufgrund von Fusionen, Zusammenlegungen und Übernahmen rapide ab und 1912 waren es nur noch rund 300 Gesellschaften.

Am 1. Januar 1875, also in dem Jahr in dem die Era 1 endet, entschloss sich die Midland Railway zu einer bahnbrechenden Neuerung, indem sie die II. Klasse bei allen Zügen aufhob. Die anderen Gesellschaften mussten wegen des Wettbewerbs notgedrungen dem Beispiel folgen.

Der Zeitraum von 1804 bis 1875 war aber nicht nur die Pionierzeit der Eisenbahn in Großbritannien, sondern auch in vielen anderen Ländern der Erde. Lokomotiven und Eisenbahnen im Allgemeinen entwickelten sich in diesem Zeitraum zum Exportschlager Großbritanniens.

Quellen und Weblinks

Buch: "Epochen der Eisenbahngeschichte" von Horst Weigelt, Hestra-Verlag 1985, ISBN 3-7771-0187-7
Buch: "Enzyklopädie des Eisenbahnwesens", Freiherr von Röll, Band 5., Wien 1914

http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_rail_transport_in_Great_Britain
http://www.teachingzone.org/railway/pdf/history.pdf
http://www.railwaysarchive.co.uk/documents/HMG_Act_Reg1846.pdf – Railway Regulation (Gauge) Act 1846 (PDF)

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